Aus der Trabener Zeitung vom 20. Juni 1927

Auszüge !

Stiftungsfest und Flaggenweihe

des Vereins

Ehemaliger Seesoldaten und Schutztruppen

Traben-Trarbach und Umgebung

 

Im vorigen Jahre hatten sich die ehemaligen Angehörigen der Marine, Seesoldaten und Schutztruppen, die in hiesiger Stadt und der Umgebung wohnhaft sind, zu o.g. Verein zusammen geschlossen. Zweck des Vereins ist Pflege der Kameradschaft, Austausch gemeinsamer Erinnerungen und Pflege der Einigkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls, um so zu ihrem Teile mitzuhelfen am Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Dieser Verein nun hatte für Samstag und Sonntag eine ganze Reihe von Brudervereine von nah und fern sowie die ganze Bürgerschaft von hier und Umgebung zu seinem ersten Stiftungsfest verbunden mit Flaggenweihe eingeladen.

Große Vorbereitungen waren dazu getroffen worden, unermüdlich waren die Mitglieder des Vereins am Werke, den zahlreichen Gästen, die ihr Erscheinen zugesagt hatten, den Aufenthalt in unserer gastlichen Stadt so angenehm wie möglich zu machen. Das ist ihnen denn auch in bestem Maße gelungen. Auf der Moselwerft wurde ein grosses, gegen jede Witterung gedecktes Festzelt errichtet und mit Waldesgrün, Wimpeln und Flaggen reich verziert. Vor dem Zelte war zwischen zwei Flaggenstöcken eine Kommandobrücke mit Vorschiff nachgebildet, worauf an hohem Mast über dem Mastkorb die Kriegsflagge stolz wehte.

Diese sinnreiche Nachbildung wurde allgemein als gut gelungen bezeichnet und gebührend bewundert. Wenn auch die ganze Woche fast Regen nieder ging und diesiges Wetter herrschte, so ließen die ehemaligen blauen Jungs sich ihre Arbeit doch nicht verdriessen und schafften unermüdlich weiter, wie sie das dereinst gelernt und wie’s Seemannsbrauch ist, hoffend auf ihren guten Stern, der ihnen denn am Samstag auch treu blieb.

Alsbald eröffnete der Vorsitzende des festgebenden Vereins „Herr Georg Seifert“ , den Kommersabend durch eine herzlich gehaltene Begrüssungsansprache. Im Namen des Marine-Vereins Traben-Trarbach und Umgebung begrüsste er alle erschienen Gäste, die bereits anwesenden fremden Marinevereine sowie die hiesigen Militär-, Gesang- und Turnvereine, letzteren dankend für ihre Mitwirkung bei der Verschönerung des Festes. Sein besonderer Gruss galt unserem Stadtoberhaupt, Herrn Oberbürgermeister Schmidt sowie den Behördenvertretern und Ehrengästen.

Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich alle zu einigen frohen Stunden zusammenfinden mögen, um im Geiste kameradschaftlichen Verstehens der alten Erinnerungen zu gedenken und die Alltagssorgen zu vergessen. Seine Ausführungen, die lebhaften Beifall fanden, schlossen mit dem Wunsch, dass das Fest zu aller Zufriedenheit ausklingen möge. Herr Oberbürgermeister Schmidt hielt hierauf eine von markigem, echt deutschem Geist getragene Ansprache an die Versammelten. Seine Worte verdienen in Auszügen hier festgehalten zu werden. Er führte etwa folgendes aus:

Der Marineverein Traben-Trarbach und Umgebung hat uns alle eingeladen zur frohen Feier auf der Moselwerft, – auf der Moselwerft wo einst Boote gebaut wurden, die kostbare Last trugen den Rhein hinauf bis nach Holland. Ihre Ladung trugen sie dort hin zu Nutz und Ehre des Mosellandes und Moselweines. Übergehend auf die Marine sprach er hehre Worte von dem harten Dienst der blauen Jungen auf den Vorschiffen, die den Glanz Deutschlands hinausgetragen in fremde Lande. Die Taten der Marine, der Seebataillone und der Schutztruppen waren es, die mitgeholfen haben, den Ruhm Deutschland zu befestigen und unser Vaterland hochzubringen. Wenn unsere schöne Flagge auch heute noch hoch und stolz wehe, so weckt sie doch auch die Erinnerung an das, was vergangen, was uns einst stolz und fröhlich gemacht habe. Eine ehrenvolle Geschichte habe die deutsche Marine; Redner erinnerte an einzelne markante Taten im verflossenen Weltkrieg, so an die Schlacht bei den Falklandinseln und an die grösste Ruhmestat der Marine, an die Schlacht im Skagerrak. Er erinnerte weiter an den heldenmütigen Widerstand der Schutztruppe unter ihrem Kommandeur, Ritter Borbeck und erinnerte nicht zuletzt an die unvergleichlichen Taten der Seebataillone in Flandern. Der Marine Verein Traben-Trarbach und Umgebung wolle im Gedenken an diese Taten die Erinnerung an sie pflegen und wach halten und Deutschlands Ruhm in allen Zeiten weiterverbreiten. Da sei nun eins not: Wie auf den Schiffen nur eines galt, – das Wort des Kapitäns, – so sei auch heute nur ein Wort, ein Gedanke not: Vaterland. Wenn alle für unser schönes Vaterland leben und kämpfen wollten, dann gehe es auch wieder aufwärts. Von fern und nah, vom besetzten und unbesetzten Gebieten und vor allem aus dem Saarland, das immer noch zu Deutschland gehöre, seien die Kameraden herbeigeeilt, um das Fest des Brudervereins verschönern zu helfen. Er freue sich, sie alle hier herzlich begrüssen zu können. Sein Schlusswort klang aus in einem Hoch auf unser über alles geliebtes Vaterland, das begeisterte Aufnahme fand und in das Deutschlandlied ausklang. –Reicher Beifall dankte dem Redner für seine kraftvollen Worte.

Aus der Trabener Zeitung v. 21. Juni 1927

Stiftungsfest und Flaggenweihe

des Vereins

Ehemaliger, Seesoldaten und Schutztruppen

Traben-Trarbach und Umgebung

 

Hatte bereits am Vortage, dem Samstag, die Stadt ein farbenprächtiges Festkleid angelegt, so zeigte sie sich am Sonntag in noch schmuckerem Gewande. Fast an jedem Hause flatterten die Fahnen und Wimpel in allen Farben stolz im Winde. Um 7 Uhr in der Frühe wurde bereits geweckt. In langsamen Schritt spielte die Kapelle das „Freud Euch des Lebens“ durch die noch morgendlich stillen Strassen der Stadt. Ja, es war ein Tag der Freude, vergessen werden sollten die Sorgen und Nöte des Alltags, wenn auch nur für ein paar Stunden.

Der Himmel machte am Vormittage ein drohendes Gesicht und öffnete öfters seine Pforten zu kühlendem Nass; manch einer mag verzagend in die Höhe geschaut haben. Aber gleichsam als Gruss wechselte der Himmel am Nachmittag sein Gesicht, siegreich brach die Sonne durch und schien wieder freundlich über die Mosellande. Um 1 Uhr wurde die neue Flagge beim Vorsitzenden von den Ehrendamen in ihrer kleidsamen Matrosentracht und den Mitgliedern des Vereins in feierlichem Zuge abgeholt und dem Festplatze gebracht, wo die feierliche Weihe stattfinden sollte. Dort angekommen, sammelte sich der festgebende Verein mit den Brudervereinen und den sonstigen Militärvereinen an der ausserhalb des Zeltes errichteten Kommandobrücke.

Auf das Zeichen: „Heisst die Flagge“ ging die grosse Kriegsflagge am Mast unter den Klängen der Musik langsam hoch, wo sie sich stolz im Winde blähte.

Eine grosse Schar Teilnehmer fand sich zu diesem feierlichen Akte ein. U.a. ehemalige höheren Offizieren war auch General Frhr. von Schroetter anwesend.

Alsbald bestieg der Vorsitzende des hiesigen Kriegerverbandes, Herr Johann Wilhelm Huesgen, die Kommandobrücke, um in von Herzen kommende Rede die neue Flagge zu weihen. Er führte etwa folgendes aus: Der Marineverein Traben-Trarbach habe zur heutigen Flaggenweihe eingeladen. Da steige die Erinnerung auf an vergangene Zeiten, an die Entwicklung und den Fortschritt der jungen Marine und an die grossen Taten, die sie im Weltkrieg geleistet habe. Unvergleichliches sei es gewesen, was die einzelnen Formationen, die Matrosen-Artillerie sowie die Seebataillone und Schutztruppen und nicht zuletzt die Hochseeflotte unter ungeheueren Schwierigkeiten geleistet hätten. Grosse Opfer seien dabei gebracht worden, Tausende decke der grüne Rasen, Tausende ruhten aber auch auf dem kühlen Grunde des Meeres, sie alle haben ihr Leben freudig dahin gegeben angesichts des sicheren Todes.

Zum Zeichen der Ehrung der gefallenen Soldaten bittet er die Fahnen zu senken um in stillen Gedenken an sie einige Minuten zu verweilen. – Dann führte der Redner weiter etwa aus: Die nun zu enthüllende Flagge zeichne sich durch besondere Schönheit aus. Ihr innerer Sinn und ihre tiefe Bedeutung sei die: Einigkeit, Zusammenhalt und kameradschaftliches Zusammenstehen, ohne diese Dinge geht es nicht. So sei auch die geschichtliche Entwicklung, so war es in Kriegs- und Friedenszeiten unter den Bannern Heute gelte es wieder den Zusammenschluss für Taten des Friedens und Zusammenhalt mit den Opfern des Krieges, den Verwundeten, Hinterbliebenen usw. Die Pflicht jedes Deutschen sei es massvoll und einigend zu wirken, sich nicht gegenseitig befehden und bekämpfen. Mit der Mahnung an den Verein, stets einig und treu zu der Flagge zu stehen, weihte und übergab Herr Huesgen dann dieselbe mit den Worten: „Uns Vaterland, uns teure, schließ Dich an, das halte fest mit Deinem ganzen Herzen !“

Lautlose Stille und Andacht ergriff die Umstehenden, als nun die Hülle von der neuen Flagge abgestreift wurde und dieselbe sich in ihrer wirklich schönen Ausführung zeigte. Der Vorsitzende des Marinevereins dankte anschliessend dem Weiheredner für seine warmen Worte und übernahm die geweihte Flagge. Erbrachte dann zum Ausdruck, dass die Flagge ein Symbol der Zusammengehörigkeit und der Einigkeit darstellen soll. Nicht nur bei Freudenfesten soll sie dem Verein vorangetragen, sondern zur Ehrung der Gefallenen und beim letzen Gange der durch Tod aus ihrer Mitte gerissenen Mitglieder dienen. Er bat zum Schluss den Fahnenträger die in feierlicher Stunde geweihte Flagge in treuen Gewahrsam zu nehmen, was der Fahnenträger „Faust“ bei der Übernahme versprach.

2 Ehrendamen überreichten nun namens der Damen des Vereins sowie namens der Ehrendamen je eine prachtvolle Schleife mit Widmung. Nunmehr betraten nacheinander die Vertreter zahlreicher Vereine die Kommandobrücke, um unter längeren oder kürzeren Ansprachen Fahnennägel ihrer Vereine zu übergeben.

Die einzelnen Ansprachen hier alle aufzuführen, würde zu weit führen. Sie alle atmeten echt deutschen, vaterländischen Geist, von Herzen kamen die Worte, zu Herzen gingen sie aber auch bei der grossen Feiergemeinde.

Besonders kernige deutsche Worte fand der Vertreter der deutschen Marinevereine aus dem Saarlande, Dr. Scholz. – Als erster Redner sprach der Vertreter des Bundes Deutscher Marine (Sitz Bremen). Ihnen folgten die Sprecher der nachstehenden Vereine:

Marineverein Bonn, Artillerieverein „Mittelmosel“, Kavallerie-Verein Traben-Trarbach, Marine-Verein St. Wendel, Neukirchen und Umgebung, Bingen, Wiesdorf-Leverkusen, Völklingen, Höchst a.R. u. Umgebung, Kriegerverein Kleinich (Kirchspiel), Marineverein Trier, Merzig und Wittlich. Zum Schluß sprachen dann noch kurze Worte die Vorsitzenden der Kriegervereine Traben-Trarbach und der Freiw. Feuerwehr Traben.

Es war eine weihevolle erhebende Feierstunde, diese Flaggenweihe, angesichts der stolz im Winde wehenden Reichskriegsflagge hoch oben am Mast und der neuen schönen Vereinsflagge unten auf dem Vorschiff. Die Flagge ist von seltener Schönheit und ein neues Meisterstück der Bonner Fahnenfabrik. Auf der einen Seite ist die getreue Nachbildung der Kriegsflagge, während die andere Seite das Bild eines untergehenden Matrosen (Der letzte Mann) ziert, der, schon mit den Wogen kämpfend, die Flagge hoch erhebt. Die Umschrift lautet: „Getreu bis in den Tod“. Als nun der Weiheakt beendet, nahmen die Vereine Aufstellung zum Festzuge, der sich wieder durch die reich gezierten Strassen beider Stadtteile bewegte. Es waren nach Schätzung etwa 1200 – 1500 Personen, die in wohlgeordnetem Zuge, begleitet von 3 Musikkapellen, daherschritten. Recht anmutig sahen die den Vortritt machenden Radfahrervereine von hier und Kröv mit ihren gezierten Rädern aus. Unermüdlich spielten die Kapellen, unermüdlich krachten auch die Böllerschüsse dazu.

Der Montag vereinigte nochmals den Festverein mit seinen Freunden und Gönnern zu gemütlichem Zusammensein. Ein ausgedehnter Frühschoppen gab die Einleitung dazu. Am Nachmittag füllte sich langsam das Zelt wieder mit den Feiergästen, die in gemeinsamen Verstehen mithelfen wollten, das Fest gut zu beenden. Es war dieser Tag mehr eine Feier für die hiesige Bürgerschaft. Am Nachmittage erfreute der Musikverein wieder durch musikalische Darbietungen und erfreute man sich bei frohem Wort und Scherz. Als die Instrumente anstimmten zum nochmaligen Festball, da gab es kein Halten mehr. Jung und Alt drehte sich im Kreise und gab sich auf Stunden der ungetrübten Freude hin, bis auch dieser Tag schliesslich wieder sein Ende fand und die Alltagssorgen wieder in ihre Rechte traten.

Verrauscht sind die Klänge, verweht die Worte. Eines aber ist geblieben: Der Gedanke, dass zwischen dem jungen Marineverein Traben-Trarbach und der Einwohnerschaft ein einiges Verstehen und inniges Zusammengehörigkeitsgefühl herrscht.

So soll es sein und bleiben. Wenn der Geist der Einigkeit und des gegenseitigen Zusammenhaltens immer mehr Platz greift in unserem Volke, dann geht es in unserem Vaterlande auch wieder vorwärts und aufwärts. Und das wünschen wir dem Marineverein im Gedenken an das so schön verlaufene Fest und an den guten Geist, den es durchwehte, dass er wie bisher wachsen und gedeihen und sich stets einig und treu unter seiner neuen Flagge zusammenfinden möge in guten und bösen Tagen, damit er durch die Bande gemeinsamen Lebens und Pflege der Kameradschaft und der einigenden Zusammengehörigkeit zu seinem Teile mithelfe am friedlichen Wiederaufbau unseres grossen schönen Vaterlandes.

Traben-Trarbach - an der schönen Mosel - hat, wenn auch indirekt, einen Zugang zur offenen See. Man muss sich nur etwas Zeit nehmen und mit seinem Boot /Schiff ein paar Tage fahren und wird an der Mündung des Rheins in die Nordsee gelangen. Nun... diese Begebenheit ist sicherlich nicht der Grund für die Verbundenheit mit der Marine, sondern liegt ganz einfach daran, dass viele Männer aus Traben-Trarbach und Umgebung in der Kaiserlichen-, Kriegsmarine und Bundesmarine Dienst geleistet haben.

Ca. 1910 (genaue Daten liegen nicht vor) gründete sich in Traben-Trarbach der Verein: “Ehemalige Seesoldaten und Schutztruppen Traben-Trarbach und Umgebung”. Im Jahre 1927... unter grossem Aufwand dann der Marineverein, im Jahre 1954... die Marine-Kameradschaft Traben-Trarbach... später MK-Mittelmosel.

1964 übernahm die Stadt Traben-Trarbach die Patenschaft zum >Schnellboot Fuchs< der Bundesmarine im 3. Schnellbootgeschwader Flensburg.

Die Marine-Kameradschaft-Mittelmosel engagierte sich im starken Maße an der Pflege dieser Patenschaft. Das Schnellboot Fuchs wurde 1973 ausser Dienst gestellt und von dem Flugkörperschnellboot >S-46 FUCHS< abgelöst. Dieses wiederum, wurde im Jahre 2002 ausser Dienst gestellt. Im Laufe der Patenschaft... ca. 40 Jahre, waren viele Besatzungsmitglieder in Traben-Trarbach zu Gast. Diese sind der Meinung, dass diese Patenschaft weiter bestehen soll. Aus diesem Grunde wurde die >Marine-Kameradschaft-Mittelmosel< in >Marine-Kameradschaft S-46 FUCHS e.V. im Jahre 2004 umbenannt. Das jährliche Treffen der ehemaligen Besatzungsmitglieder findet von nun an am Zunftweinfest der Stadtschröter (letzte Wochenende im Juli) statt.

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Marineverein um 1900

Der Anfang!

Seesoldaten und Schutztruppen, Traben-Trarbach und Umgebung (um 1900).

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Stiftungsfest u. Flaggenweihe 1927

Gründungsmitglieder

Neugründung der Marine-Kameradschaft Tr.-Tr. 1954 und heute:

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Die Stadt und Marine
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